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AKW Biblis

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In Südhessen geschieht etwas, das sich nur sehr selten ereignet und auch in Zukunft nur sehr selten ereignen wird: In Biblis wird ein Atomkraftwerk „zurückgebaut“. 

Atomkraftwerke waren immer mehr als nur Energielieferanten. Sie waren ebenso Symbole des Fortschrittsglaubens wie erbittert bekämpfte und als solche angesehene Hochrisiken. Sie haben die Gesellschaft über Jahrzehnte gespalten und werden dies auch in Zukunft tun. Auch wenn in Deutschland die Nutzung der Kernenergie in wenigen Jahren beendet sein wird, werden die Gebäude, die Technik und das benutzte Material damit im wörtlichen und im übertragenen Sinn noch lange nicht aus der Welt sein.

In Biblis wird der Abschied vom Kraftwerk langsam aber sicher konkret. Die Redaktionen der Verlagsgruppe Rhein Main greifen aus diesem Anlass das Thema auf und begleiten den Prozess. So wird diese multimediale Geschichte auch immer wieder erneuert. Es lohnt sich also, immer wieder reinzuschauen.

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Das Kernkraftwerk Biblis, das ab 1969 geplant wurde, war einmal das zweitertragreichste Kernkraftwerk in Deutschland. Unter dem Eindruck der Nuklearkatastrophe in Fukushima hat die Bundesregierung im März 2011 einen deutlichen Wechsel in der Energiepolitik vollzogen: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verkündete zunächst ein dreimonatiges Atom-Moratorium. Die sieben ältesten Atomkraftwerke, darunter auch das AKW Biblis, wurden stillgelegt, die Kernkraftwerke insgesamt einer Sicherheitsprüfung unterzogen.

Im Juni 2011 verkündete die Bundesregierung das Aus für acht Kernkraftwerke und einen stufenweisen Atomausstieg bis 2022. Damit wurde die erst im Herbst 2010 beschlossene Laufzeitverlängerung zurückgenommen. Bis dahin verfolgte die Politik einen stufenweisen Atomausstieg mit Reststrommengen ohne festen Abschalttermin. Am 30. Juni 2011 beschloss der Bundestag mit großer Mehrheit das 13. Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes: Damit erlosch die Betriebsgenehimgung für acht Kernkraftwerke in Deutschland, darunter das AKW Biblis mit Block A und B.  

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Das Aus für Biblis kam im Sommer 2011 mit der 13. Atomgesetznovelle. Die Gesetzesänderung legte fest, dass die Kraftwerksblöcke, die vor 1980 in Betrieb gegangen waren, vom Netz genommen werden mussten. Da die Blöcke A und B des AKW Biblis bereits seit 1974 bzw. 1976 in Betrieb waren, gehörten sie zu den insgesamt acht Kraftwerksblöcken in Deutschland, die abgeschaltet werden mussten.

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1994 als Bundesumweltministerin: 
„Im Licht des CO2-Problems ist die Kernkraft eine saubere, unter Sicherheitsaspekten verantwortbare Energie und auch für die Zukunft wichtig.“

Am 12. März 2011, einen Tag nach der Fukushima-Katastrophe, in der Rolle der Bundeskanzlerin: 
„An so einem Tag darf man sicher nicht sagen, unsere Kernkraftwerke sind sicher. (Pause) Sie sind sicher.“

Regierungserklärung vom 9. Juni 2011: 
„In Fukushima haben wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass selbst in einem Hochtechnologieland wie Japan die Risiken der Kernenergie nicht sicher beherrscht werden können." Zur Energiewende heißt es weiter: "Für dieses gemeinsame Projekt werbe ich mit aller Kraft und mit aller Überzeugung.“


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Die Reaktion der Mitarbeiter

Alexander Scholl, Pressesprecher des AKW Biblis

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Der Betreiber eines Kernkraftwerkes ist laut §7 des Atomgesetzes verpflichtet, dieses nach dessen Abschaltung abzubauen - auf eigene Kosten

Die Stilllegung und damit der Rückbau des nuklearen Teils der Anlage erfolgt in der Regel erst einige Jahre nach der endgültigen Abschaltung. Zuerst muss ein Genehmigungsverfahren durchlaufen werden. 

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Die Stilllegung und damit der Abbau eines Atomkraftwerkes muss laut Atomgesetz (§ 7 Absatz 3) genehmigt werden. In dem Verfahren sind alle Behörden des Bundes, der Länder, der Gemeinden und weitere betroffene sogenannte Gebietskörperschaften zu beteiligen, deren Zuständigkeitsbereich berührt wird. Im Fall vom AKW Biblis ist das der Kreis Bergstraße, der die Bauaufsicht inne hat. Darüber hinaus ist die Öffentlichkeit einzubinden. Dabei muss die Möglichkeit geboten werden, Einwände gegen das Vorhaben zu erheben. Diese wurden bei einem Erörterungstermin in Biblis abgearbeitet. Dieser ist allerdings im November 2014 faktisch gescheitert: Die meisten Kritiker verließen den Termin.

Bereits zuvor wurde das "Informationsforum Biblis" eingerichtet, eine öffentliche Anhörung, bei der Experten von RWE und Ministerium Rede und Antwort stehen. Das Informationsforum läuft noch.        

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Das hessische Umweltministerium als Aufsichtsbehörde hat am 30. März 2017 dem Betreiber RWE die Abbaugenehmigung erteilt. "Die Atomenergie in Hessen gehört ab heute der Vergangenheit an", sagte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne). "Mit dem Rückbau kann ab sofort begonnen werden. Der Ausstieg aus der Atomkraft ist damit unumkehrbar."

RWE teilte mit, die Genehmigung sei ein wichtiger Meilenstein für die Stilllegung. "Wir sind gut vorbereitet, um mit dem sicheren Abbau beginnen zu können", erklärte Kraftwerksleiter Horst Kemmeter.
 
Die Grünen-Fraktion im Landtag in Wiesbaden zeigte sich erfreut. "Heute ist ein großer Tag für alle, die seit Jahrzehnten für den Ausstieg aus der hochriskanten Atomenergie streiten", meinte die energiepolitische Sprecherin Angela Dorn.

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Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Hessen hat im Mai 2017 Klage gegen die Genehmigung für den Abbau von Teilen des Atomkraftwerks Biblis erhoben.

Der BUND bemängelt unter anderem, der höchstmögliche Schutz der Bevölkerung vor zusätzlicher radioaktiver Belastung sei nicht gewährleistet. Nötig seien niedrigere Strahlenschutz-Grenzwerte. Beim Abriss entstünden große Mengen radioaktiven Abfallmaterials. Das werde als nicht radioaktiv umdeklariert und lande auf Deponien, in Müllverbrennungsanlagen oder als Recyclingmaterial in Gegenständen.

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Wie wird ein AKW zurückgebaut und was kostet das?

Alexander Scholl, Pressesprecher des AKW Biblis

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Beim Rückbau von Atomkraftwerken ist es das Ziel, so Kraftwerksbetreiber RWE, die Abfälle zu reduzieren, die in einem Endlager verwahrt werden müssen. So könnten viele Materialien durch Dekontamination so weit gereinigt werden, dass sie "normal" entsorgt oder weiter verwendet werden könnten. Jedes Element wird einzeln freigemessen und durch die Aufsichtsbehörde freigegeben.

Was übrig bleibt, sind radioaktive Abfälle. In Deutschland unterscheidet man bei der Endlagerung zwischen wärmeentwickelnden radioaktiven Abfällen (z.B. angebrannte Brennelemente) und solchen mit geringer Wärmeentwicklung (z.B. Werkzeuge, Filter, Putzlappen). Letztere werden aktuell in Biblis zwischengelagert bis ein Endlager betriebsbereit ist. Die gebrauchten Brennelemente müssen am Standort zwischengelagert werden, bis ein Endlager für hochradioaktive Abfälle feststeht. 

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Das Zwischenlager in Biblis

Alexander Scholl, Pressesprecher des AKW Biblis

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In Deutschland sollen radioaktive Abfälle in tiefe Bergwerke eingelagert werden. Zuständig für die Errichtung und den Betrieb von Endlagern ist das Bundesamt für Strahlenschutz. 

Für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle ist weltweit noch kein Endlager in Betrieb. Auch in Deutschland wird gesucht. Erkundungsarbeiten am Standort Gorleben haben ergeben, dass das Bergwerk dort nicht geeignet ist. Die Arbeiten wurden im Juli 2013 beendet.

Das stillgelegte Eisenerz-Bergwerk Konrad bei Salzgitter wird aktuell zum Endlager umgerüstet. In Morsleben und Asse lagern bereits radioaktive Abfälle.

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Seit 1974 Block A in Betrieb ging, werden das Atomkraftwerk und die 9000-Einwohner-Gemeinde Biblis meist in einem Atemzug genannt. Die beiden Meiler und die vier Kühltürme sind rund drei Kilometer vom Ortskern entfernt, Betreiber RWE war jahrzehntelang größter Arbeitgeber, größter Gewerbesteuerzahler, größter Sponsor.

Seit dem Atomausstieg 2011 ist vieles anders in Biblis. Von den einst 1000 Arbeitsplätzen sind noch rund 360 übrig, die Revisionen, wegen denen früher monatelang bis zu 1500 Monteure, Elektriker und Physiker in den Ort kamen, gibt es nicht mehr. Wenn jetzt über die Gemeinde im Kreis Bergstraße gesprochen wird, hat das oft den Tenor: In Biblis gehen die Lichter aus. 

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Die Gemeinde Biblis hat lange Zeit gut vom Atomkraftwerk gelebt. Jetzt sprudelt die Gewerbesteuer nicht mehr wie früher, der Ort sucht nach neuen Geldquellen und nach einem neuen Image.

Eines ärgert die Gemeindebewohner: die Behauptung, dass ihr Ort stirbt. Vier Bibliser berichten.  

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Über leere Straßen fährt die Kamera auf Biblis zu, hält kurz an, zeigt dann den Ort von oben. „Mit 5500 Einwohnern, für die bisher der alljährliche Höhepunkt die Wahl einer Gurkenkönigin war, wird Biblis plötzlich bedeutend“, sagt eine Stimme aus dem Off. Schnitt. Eine Baustelle. „Derzeit noch im Rohbau, entsteht hier Europas größter Atomreaktor.“ Zu sehen ist der unfertige Block A, das erste der beiden Eier, deren Silhouetten seit Jahrzehnten die Landschaft prägen.

Wir schreiben das Jahr 1968, die Stimme gehört Hans Jürgen Kanow, der damals den 17-Minuten-Streifen gedreht hat. Mit einer semiprofessionellen 16-Millimeter-Kamera, wie er sagt.

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Das Werden des Reaktors hat Hans Jürgen Kanow, Jahrgang 1935, rund ein Jahr lang aus nächster Nähe erlebt und dokumentiert. Er war als Baustellenleiter vor Ort. Die Firma J. F. Nold & Co aus Stockstadt, in die er Ende der 50er Jahre eingeheiratet hatte, produzierte Filterrohre, mit denen das Grundwasser gesenkt wurde, um den Reaktor bauen zu können. Kanow, inzwischen Abteilungsleiter bei Nold, wies auf der Baustelle die Arbeiter im Umgang mit den Rohren an.

Privat interessiert sich der gebürtige Berliner für das Filmen. 1960 sorgt der Schwiegervater für eine Ausrüstung, Kanow filmt alles Mögliche: Betriebsausflüge in den Schwarzwald, Schifffahrten auf dem Rhein, einen Werbefilm über den Einbau von Filterrohren.

Auch in Biblis ist die Kamera oft dabei. Kanows Vorteil: Er kommt ganz nah ran an Atomreaktor und Arbeiter. Er zeigt Bauphasen von Block A, die Baracken der 1000 damals so genannten Gastarbeiter, ihre provisorischen Märkte mit Kichererbsen, Würsten, Teppichen, und kombiniert das mit Ansichten der Gemeinde Biblis.


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Irgendwann entsteht die Idee, daraus einen Dokumentarfilm zu machen: „Ich hatte einfach viel Material.“ Das ist es aber nicht nur. In den fortschrittsverliebten 60er Jahren wird die Atomkraft reichlich unkritisch gesehen, nicht nur in Biblis. Die Warner und Gegner sind noch eine kleine Gruppe. „Probleme hat man kleingeredet, egal, ob es um die Entsorgung von Atommüll oder um Gefahren für Gesundheit und Umwelt ging“, erinnert sich Kanow, dem die Argumente der Kritiker schon damals zu denken geben. „Man hatte in Biblis mehr Angst vor den Gastarbeitern als vor dem Atomkraftwerk.“

Kanows Film greift das auf. „Der Meiler ist längst integriert, die Frage nach seiner Berechtigung kein Gesprächsstoff mehr“, formuliert er damals. Die Stimmung befremdet ihn. Er fragt sich nach dem Grund der Euphorie, trotz der Risiken.
In seinem Film – er nennt ihn „Am Beispiel Biblis“ – gibt er Antworten: 

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Politik, Kraftwerksgegner und der Betreiber RWE – sie alle sind durch das Kraftwerk verbunden. Hier kommen sie zu Wort. 

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Priska Hinz ist seit dem 18. Januar 2014 hessische Umweltministerin. Dieses Amt hatte die 57-Jährige bereits von 1998 bis 1999 in der rot-grünen Landesregierung unter Hans Eichel inne.

Dem Landtag gehörte die gelernte Erzieherin mit Unterbrechungen von 1985 bis 2005 an. Von 2005 bis zu ihrer Ernennung als Ministerin 2014 war Hinz Mitglied des Deutschen Bundestags, zuletzt als haushaltspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. 2008 sollte Hinz in einer – schließlich gescheiterten – rot-grünen Minderheitsregierung Kultusministerin werden.

Den Grünen gehört Hinz seit 1980 an.

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Priska Hinz

Hessische Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

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„Seit klar ist, dass der Atomausstieg und der Rückbau nicht mehr umkehrbar sind, und seit die Energiekonzerne sich damit abgefunden haben, läuft die Zusammenarbeit problemlos mit RWE.“

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Horst Kemmeter wurde am 2. September 1956 in Eich (Kreis Alzey-Worms) in Sichtweite des Kernkraftwerks Biblis geboren. Dort lebt der verheiratete Vater zweier Kinder (35 und 32 Jahre alt) immer noch.

An der FH Darmstadt studierte Kemmeter Maschinenbau mit Schwerpunkt Energie- und Wärmetechnik. Nach dem Abschluss Diplom-Ingenieur arbeitete er ab 1980 für den Maschinenbauer KSB; zwei Jahre später wechselte er zu RWE, dem Betreiber des wenige Jahre zuvor angefahrenen Kraftwerks Biblis. Auf eine Ausbildung zum Schichtleiter folgte die Betrauung mit Projekten. Ab 1998 war er zuständig für Revisionen, ab 2004 für die gesamte Produktion, die Werksfeuerwehr und die Ausbildung.

Von 2006 bis 2011 leitete Horst Kemmeter das RWE-Atomkraftwerk Emsland. Dann kehrte er nach Biblis zurück, wo er 2012 Nachfolger von Kraftwerksleiter Dr. Hartmut Lauer wurde.

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Horst Kemmeter

Kraftwerksleiter AKW Biblis

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„Wir haben in Biblis vor der Abschaltung 2011 sehr viel Geld investiert, die Arbeit im Kraftwerk wurde auch mit viel Herzblut gemacht. Die Politik hat aber entschieden, innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens den Ausstieg aus der Kerntechnik zu vollziehen. Jetzt haben wir einen anderen Job, und auch den machen wir mit Herzblut.“

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Aus dem von Ministerin Priska Hinz eingerichteten Informationsforum im Bibliser Bürgerzentrum, wo RWE und die Genehmigungsbehörde Vertretern von Politik, Verbänden und Vereinen sowie dem Publikum Rede und Antwort stehen, sind viele Kritiker ausgestiegen.

Heftig gestritten wurde dort schon mehrfach über das sogenannte Freimessen: Vorher schwachradioaktives Material, das nach einer Dekontamination für unbedenklich erklärt wird, kann nach der Messung freigegeben werden und damit entweder deponiert oder zurück in den Stoffkreislauf gebracht werden. Die „Bratpfanne aus Biblis-Schrott“ ist zum Sinnbild der Sorgen in dieser Hinsicht geworden. „Das Forum bringt nichts", ist von den Kritikern zu hören. Es könne kein Ersatz sein für ein rechtmäßiges Verfahren. 

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Voraussichtlich im August tagt zum nächsten Mal das Informationsforum, dessen Existenz vorübergehend auf der Kippe gestanden hat. Hinter dem Namen verbirgt sich eine Reihe von bislang neun öffentlichen Veranstaltungen in Biblis, bei denen Kraftwerksbetreiber RWE und hessisches Umweltministerium zum geplanten Abriss des Atomkraftwerks Biblis Rede und Antwort stehen.

Weil sich zuletzt so gut wie keine Bürger zu den gut 20 Teilnehmern des Forums gesellt hatten, zogen dessen Organisatoren die Notbremse. Nach einem Neustart soll das Informationsforum bürgerfreundlicher, interessanter und näher an Bibliser Themen sein. Dies wurde ausgerechnet in zwei Sitzungen beschlossen, bei denen die Öffentlichkeit ausgeschlossen war. „Das war für die Diskussion förderlich“, sagte der Bergsträßer Kreisbeigeordnete Karsten Krug im Mai 2017. Er ist einer der beiden Leiter des Informationsforums.


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„Klar bin ich froh, dass der Schrott endlich abgeschaltet ist.“

Aber der an sich begrüßenswerte, „Rückbau“ genannte Abriss gebe ihm auch Anlass zu Befürchtungen. „In welcher Form findet er statt, was wird freigesetzt, wo bleibt das Material und wie lange?“

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„RWE hat sich mit der Transparenzoffensive nur ein Mäntelchen umgehängt.“

Die Lagerung des verstrahlten Mülls macht die Kritiker buchstäblich auf Dauer unruhig. „Castoren sind keine Lager-, sondern Transportbehälter“, sagt Ingo Hoppe. Irgendwann gingen die kaputt.

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Neben Sorgen um die Sicherheit vor Strahlung treibt die Biblis-Gegner um, dass Betreiber RWE und das hessische Umweltministerium als Aufsichtsbehörde nach ihrem Eindruck nicht mit offenen Karten spielen. Daran scheiterte der verpflichtende „Erörterungstermin“ Ende 2014, von dem sich fast alle Kritiker zurückzogen.

Vor allem die ehrenamtlichen AKW-Gegner schildern, wie schwer es sei, einem auf Jahrzehnte angelegten hochkomplexen Verfahren zu folgen. „Wir stoßen an unsere Grenzen“, ist zu hören. Überdies kostet es Geld, Gutachten erstellen zu lassen oder gar juristisch vorzugehen.

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„Eine echte Erörterung gab es nicht. Die haben einfach aus ihren Unterlagen vorgelesen. Als wir nach weiteren Dokumenten fragten, hieß es: Sie könnten nicht mal sagen, was es noch gibt."

Nachdem der unter öffentlichen Druck geratene Energiekonzern RWE bald darauf eine „Informationsoffensive“ gestartet hatte, wurde es laut Neumann etwas besser. „Wir konnten im Sommer 2015 in den Büros von RWE Unterlagen einsehen.“ Eine einzige Enttäuschung sei dagegen das Verhalten der zu den Grünen gehörenden hessischen Umweltministerin, klagt Neumann. „Priska Hinz hat Transparenz angekündigt, aber das nicht eingelöst.“

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Wann wurde das erste Kernkraftwerk in Deutschland gebaut und was ist diese „Kontamination“? Erfahren Sie mehr auf den kommenden Seiten. 

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Konzept und Umsetzung: Marcel Behnke, Julia Lumma
Mitarbeit: Lars Hennemann, Regine Herrmann, André Hirtz, Christian Knatz, Sascha Kopp, Christian Stang, Felix Ostermann
 
Echo Zeitungen GmbH
Berliner Allee 65
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(Anschrift gilt für alle im Impressum genannten Personen)

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Keine Stockwerke, sondern Meter zeigen im Aufzug an, wo man sich befindet. Da in den Bauplänen des Kraftwerks Meter angegeben werden, orientieren sich die Arbeiter daran. 

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Die rote Tür geht nur auf, wenn die grüne geschlossen ist. Bleiben beide Türen länger offen, geht ein Alarm los.

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Rohre führen durch das komplette Kraftwerk und begleiten uns auf den Weg in das Innere.

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... gibt es alle paar Meter Informationen zum Standort, Telefone und Hinweise, was zu tun ist. Im Inneren gibt es übrigens keinen Handyempfang. Die Arbeiter kommunizieren per Funk miteinander. 

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Bevor es erneut in das Innere des Reaktorgebäudes geht, müssen die Mitarbeiter ihre Alltagskleidung ausziehen. Sogar die Unterwäsche wird gewechselt.

Im Umkleideraum gibt es Schränke, in denen persönliche Dinge eingeschlossen werden können. Durch eine Sicherheitstür geht es in Umkleideraum Nummer 2. Dort liegen Werks-Unterwäsche und Overalls bereit. Jeder, der ab hier weiter geht, wird mit einem Sievertsmeter zur Messung der Strahlung ausgestattet.

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Zur Schutzkleidung gehören auch Schuhe, die nur in diesem Bereich getragen werden. Darüber werden drei Lagen Schutzabdeckungen gezogen.

Verhindert werden soll so, dass radioaktive Stoffe über die Schuhe nach außen getragen werden. 

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Auch ein Helm gehört zur Arbeitskleidung im Sicherheitsbereich dazu. Auch Schutzbrillen müssen aufgezogen werden.

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Erst wenn die Kleidung gewechselt, Helm und Brille aufgezogen wurde, geht es weiter.

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Ein Putzlappen zeigt an, dass es im äußeren Bereich einen anderen Luftdruck gibt wie im Inneren.

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Der Weg in Block B

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Wieder zurück geht es auf den gleichen Wegen.

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Bevor es aus dem innersten Sicherheitsbereich rausgeht, lassen die Arbeiter die spezielle Kleidung zurück und gehen duschen. Nur in Unterwäsche bekleidet wird in diesen Messanlagen überprüft, wie viel Strahlung man abbekommen hat. Ist sie unter dem Grenzwert, geht die Tür Richtung Umkleide auf. 

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Ein Blick in das Innere

Alexander Scholl, Pressesprecher des AKW Biblis

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Wie funktioniert ein Kernkraftwerk?

Alexander Scholl, Pressesprecher des AKW Biblis, erklärt es

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1896 entdeckt Antoine Henri Becquerel die Radioaktivität.

Zwei Jahre später erforschen Marie und Pierre Curie den Zerfall des Elementes Radium in andere Elemente und stellen fest, dass dabei ionisierende Strahlung abgegeben wird.

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1938 entdecken Otto Hahn und Fritz Straßmann die induzierte Kernspaltung von Uran. Zusammen mit den weiteren Erkenntnissen der Forschung werden damit die praktischen Anwendungsmöglichkeiten der Kernspaltung klar.

Genutzt werden die Erkenntnisse für die militärische Forschung während des Zweiten Weltkrieges.

Enrico Fermi gelingt am 2. Dezember 1942 die erste kontrollierte nukleare Kettenreaktion in einem Kernreaktor in Chicago.

Nach dem zweitem Weltkrieg ist Obninsk das Zentrum der zivilen Atomforschung in Russland und setzt den Startschuss der Atomkraftbewegung.

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1957 entsteht der erste Kernreaktor in Deutschland. Es handelt sich um einen Forschungsreaktor in München-Garching. Zwischen 1957 und 2004 werden etwa 110 kerntechnische Anlagen in Betrieb genommen.

1959 wird in der Bundesrepublik Deutschland das Atomgesetz verkündet. Es ist die Rechtsgrundlage für den Bau und Betrieb von Kernkraftwerken.

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1962 geht das erste Kernkraftwerk in Deutschland, das Kernkraftwerk Kahl, ans Netz.

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1969 ist Projektbeginn für das Kernkraftwerk Biblis. Es soll das größte Atomkraftwerk der Welt werden.

Am 16. Juli 1974 beginnt der Probebetrieb von Block A des Atomkraftwerks Biblis. Am 26. Februar 1975 wird er regulär in Betrieb genommen, 1977 folgt Block B.

Kurze Zeit später stellt RWE einen Genehmigungsantrag für die Blöcke C und D. 1979 wird die Planung für Block D eingestellt, im September 1980 zieht RWE den Bauantrag für Block C zurück.

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Im Februar 1975 kommt es zum ersten Massenprotest gegen Atomenergie am Bauplatz des geplanten AKW im südbadischen Wyhl. Auch in Südhessen wird immer wieder gegen die Atomkraft protestiert.

Zehn Wochen nach dem offiziellen Betriebsbeginn von Block A gibt es am 6. Mai 1975 die erste Meldung beim Bundesamt für Strahlenschutz: „Risse am Sekundär-Speisewasserbehälter“ im Block A. Im Juni wird ein weiteres Leck am selben Behälter festgestellt. Innerhalb von 35 Jahren werden im AKW Biblis mehrere hundert Pannen verzeichnet.

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Am 26. April 1986 kommt es zur Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Bei der Simulation eines vollständigen Stromausfalls steigt die Leistung des Reaktors unkontrolliert. Zuletzt explodiert er. 

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Im Jahr 2000 vereinbaren die damalige rot-grüne Regierung und große Energieversorger beim sogenannten Atomkonsens den Ausstieg aus der Atomenergie. Sobald ein Reaktor die zugeteilte Strommenge erzeugt hat, soll er abgeschaltet werden. Für den Bibliser Reaktor A wäre der Zeitpunkt bei normalem Betrieb 2008.

Im Herbst 2008 kündigt RWE an, dass Biblis A für Wartungsarbeiten von Februar bis Mitte September 2009 abgeschaltet wird. Die verbleibende Reststrommenge kann daher noch bis ins Jahr 2010 produziert werden.

Ab 2010 verhandeln die schwarz-gelbe Bundesregierung und Energieversorger über eine Laufzeitverlängerung.

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Am 11. März 2011 kommt es zur Reaktorkatastrophe von Fukushima. Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Länder verkünden eine Aussetzung der Laufzeitverlängerung.

RWE muss Block A am Abend des 18. März 2011 herunterfahren, Block B ist wegen einer planmäßigen Revision bereits vom Netz. RWE folgt damit der Anordnung des Hessischen Umweltministeriums zur dreimonatigen Abschaltung der Anlage (sogenanntes Atom-Moratorium).

Am 1. April 2011 klagt RWE dagegen vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) und verlangt Entschädigung. Ende Februar 2013 urteilt der VGH, dass die angeordnete Stilllegung rechtswidrig war. Das Bundesverwaltungsgericht hat die gegen die Nichtzulassung der Revision gerichteten Beschwerden im Dezember 2013 zurückgewiesen. Dem Land Hessen droht nun eine Schadenersatzklage. Seit März 2014 beschäftigt sich im Hessischen Landtag ein Untersuchungsausschuss mit der Stilllegung des Kraftwerks.

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Am 29. Mai 2011 verständigen sich CDU, CSU und FDP auf einen Atomausstieg bis 2022, die stillgelegten Alt-Meiler werden nicht mehr in Betrieb genommen.

Bis 15. Juni 2011 werden alle Atomkraftwerke, die vor 1980 gebaut wurden, direkt außer Betrieb genommen, somit auch Biblis A und B. Die maximale Laufzeit der Atomkraftwerke wird auf 32 Jahre begrenzt. Die drei neusten Atomkraftwerke Neckarwestheim II, Isar II und Emsland dürfen bis 2022 produzieren.

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Am 31. August 2011 wird festgelegt, dass Biblis B nicht als Kaltreserve genutzt wird. Das bedeutet das endgültige Aus für das AKW Biblis.

Am 6. August 2012 beantragt RWE offiziell die Stilllegung und den Abbau des Atomkraftwerks Biblis.

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Ein Atom ist das kleinste Teilchen eines Elements, das auf chemischem Wege nicht weiter teilbar ist. Die Elemente unterscheiden sich durch ihren Atomaufbau voneinander. Der Durchmesser eines Atoms, das aus einem Kern (dem Atomkern) und einer Hülle (der Atomhülle oder Elektronenhülle) besteht, beträgt ungefähr einen hundertmillionstel Zentimeter.

Der Atomkern ist aus positiv geladenen Protonen und Neutronen, die keine elektrische Ladung tragen, aufgebaut. Er ist daher positiv geladen. Die Atomhülle besteht aus negativen Elektronen, die in der Hülle den Kern umkreisen. 
Atome verhalten sich nach außen elektrisch neutral, da die Protonen- und Elektronenzahl gleich ist.

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Radioaktivität ist die Eigenschaft von Atomkernen, sich in andere Atomkerne umzuwandeln. Dabei wandelt der Kern sich unter Aussendung von Teilchen in einen anderen Kern oder ändert unter Energieabgabe seinen Zustand. 

Natürliche Radioaktivität entsteht beim Zerfall in der Natur vorkommender Nuklide (beispielsweise Radon). Induzierte Radioaktivität entsteht durch Beschuss einer Substanz mit Neutronen oder mit geladenen Teilchen in Teilchenbeschleunigern.

Die Halbwertszeit ist die Zeit, nach der von der ursprünglichen Menge eines radioaktiven Stoffes die Hälfte zerfallen ist.

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Kontamination:
Verunreinigung mit radioaktiven Stoffen, zum Beispiel Verunreinigung von Arbeitsflächen, Geräten und Wasser. Die Strahlenschutzverordnung unterscheidet zwischen festhaftender und nicht festhaftender Oberflächenkontamination, bei der eine Weiterverbreitung der radioaktiven Stoffe möglich ist.

Dekontamination:
Beseitigung oder Verminderung einer Verunreinigung mit radioaktiven Stoffen mittels chemischer oder physikalischer Verfahren, zum Beispiel durch Abspülen oder Reinigung mit Chemikalien. Luft und Wasser werden durch Filtern oder Verdampfen dekontaminiert. 

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Das "Gesetz über die friedliche Verwendung der Kernenergie und den Schutz gegen ihre Gefahren", kurz Atomgesetz, ist die gesetzliche Grundlage für die Nutzung der Kernenergie in Deutschland. Das Gesetz trat am 1. Januar 1960 in Kraft. Seitdem gab es mehrfach Änderungen. Im Jahr 2002 wurde auf Grundlage des Atomausstiegsgesetzes der Zweck des Atomgesetzes geändert: Beschrieben wird der Rahmen für den geregelten Ausstieg aus der Atomkraft.

Das Atomgesetz ist Grundlage verschiedener Rechtsverordnungen.

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Die Nachbetriebsphase ist die Zeit zwischen der endgültigen Abschaltung eines Kernkraftwerks und der Erteilung der Stilllegungsgenehmigung. Die Betreiber von Atomkraftwerken nutzen die Phase, um beispielsweise die Brennelemente aus dem Reaktor zu entladen. Zugelassen sind nur Arbeiten, die durch die Betriebsgenehmigung abgedeckt sind.

Während des Restbetriebs werden alle Systeme weiterbetrieben, die zur Rückhaltung radioaktiver Stoffe während der Stilllegung und des Abbaus erforderlich sind. Die Restbetriebsphase endet mit der Entlassung der Anlage aus dem Atomgesetz, also dann, wenn alle radioaktiven Stoffe freigemessen oder der Zwischen- bzw. Endlagerung übergeben wurden. 


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Weitere Begriffe

Vollbild

Becquerel
Einheit für die Aktivität eines Radionuklids. Eine Aktivität von 1 Becquerel (1 Bq) entspricht einem Zerfall pro Sekunde für eine bestimmte Menge eines Radionuklids.

Betriebsstörung

Störung des Normalbetriebs einer Anlage, die keine Schäden verursacht, die für die Sicherheit von Bedeutung sind. Es wird nicht mehr Strahlung freigesetzt als zum Normalbetrieb.

Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) 
Das Bundesamt für Strahlenschutz ist eine organisatorisch selbstständige wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Seine Tätigkeitsfeld umfasst die Sicherheit und den Schutz des Menschen und der Umwelt vor Schäden durch ionisierende und nichtionisierende Strahlung.

Biologischer Schild
Eine den Reaktordruckbehälter umgebende Betonabschirmung zur Strahlenabschirmung und -reduzierung.

Brennelement
Aus einer Vielzahl von Brennstäben montierte Anordnung, in der der Kernbrennstoff in den Reaktor eingesetzt wird.

Containment
Druckfester und gasdichter Sicherheitsbehälter, der den Reaktordruckbehälter in einem Kernkraftwerk umschließt.

Dampferzeuger
Großkomponente zur Erzeugung von Wasserdampf und Übertragung der Wärme aus dem Reaktorkreislauf in den Wasser-Dampf-Kreislauf (Sekundärkreis) zum Antrieb des Generators über die Turbinen.

Reaktordruckbehälter
Dickwandiger zylindrischer Stahlbehälter, der bei einem Kernkraftwerk den Reaktorkern und andere Einbauten in der Nähe des Reaktorkerns umschließt. Er ist aus einem speziellen Feinkornstahl gefertigt, der eine hohe Zähigkeit aufweist.

Rückstellungen
Finanzielle Vorsorge der Kernkraftwerksbetreiber für Rückbau und Entsorgung der Anlagen, basierend auf öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen, insbesondere dem Atomgesetz, sowie Auflagen, die in den Betriebsgenehmigungen festgeschrieben sind. 

Quelle für die Definitionen: Forschungszentrum Jülich, Kernenergie.de





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Petra Bauer hat es am Umsatz gemerkt, dass im Kraftwerk Arbeitsplätze gestrichen wurden. So hätten morgens zum Beispiel viele Mitarbeiter angehalten und sich ein Frühstück gekauft.

"Das ist vorbei, ebenso wie die Kuchen-Großbestellungen einer Fremdfirma."

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Die Bäckerei hat ihre Stammkunden und „das Aus fürs Kraftwerk ist keine Katastrophe“, sagt die Mittfünfzigerin. „Für uns war das nicht so gravierend.“ Was den Einzelhändlern viel mehr zu schaffen mache, sei die Konkurrenz durch Supermärkte und Discounter. Dass die Traditionsbäckerei, gegründet von Bauers Großvater, zum Jahresende 2016 zugemacht hat, habe aber weder mit dem Kraftwerk noch mit der Konkurrenz zu tun, das habe rein familiäre Gründe.

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Wie haben die Bibliser den Bau des Kraftwerks gesehen?

Eine persönliche Bilanz zum Verhältnis zwischen den Biblisern und dem AKW

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Die 19 Zimmer im "Lindenhof" waren oft ausgebucht, vor allem, wenn im Atomkraftwerk Revision war: “Wir hatten unsere Zimmer wochenlang am Stück vermietet, plus Wochenenden.” 60 Prozent seines Umsatzes machte der "Lindenhof" durch das Kraftwerk, jetzt sind es maximal fünf.

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Der "Lindenhof" hat einen Großteil seines Verlustes kompensiert. Seitdem Kristian Pehar mit Online-Buchungsportalen zusammenarbeitet, kann er wieder sagen: "Uns geht´s gut."

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Der "Lindenhof"

Die Auslastung des Hotels 

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Die Vereine sind von dem Ende der Atomkraft getroffen worden: RWE hat das Sponsoring drastisch zurückgefahren. Neumanns eigener Verein ist ein Beispiel dafür. Der Wirtschafts- und Verkehrsverein richtet das traditionelle Gurkenfest aus, das an die Vergangenheit der Gemeinde als Gurkenhochburg erinnert. Das ist ein Ereignis in Biblis, vier Tage lang wird jedes Jahr groß gefeiert. Hauptsponsor war Kraftwerksbetreiber RWE. “Seit 2011 fehlen uns zwei Drittel des Sponsorings”, berichtet Neumann.

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Sich durchschlagen, anpassen an die neue Situation, Lösungen finden - Positives ist aus den Erzählungen der Bibliser herauszuhören. Im Fall des Wirtschafts- und Verkehrsvereins heißt das: Manches ist eben eine Nummer kleiner. Statt drei Musikbühnen gibt es nur noch zwei. Der Stimmung wird es nicht schaden.

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Die Bibliser Vereine sind vom Aus betroffen

Neumann zur Stimmung in der Kommune

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Der 53 Jahre alte Felix Kusicka  kam 2013 ins Amt, die CDU unterstützte den parteilosen Politiker.

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“Wir haben uns in den vergangenen Jahren unter Wert verkauft”, meint Felix Kusicka. Das soll sich ändern. Nicht nur, um die Kommune als Tourismus- und Ausflugsziel zu vermarkten, sondern auch um neue Bürger und Unternehmen anzulocken. Erste Erfolge kann der Bürgermeister schon aufzählen: Der niederländische Non-Food-Discounter Action wird im Frühjahr 2017 ein Distributionszentrum in Biblis eröffnen und verspricht mehr als 500 Arbeitsplätze im Logistikbereich. “Die größte Ansiedlung im südhessischen Raum in den vergangenen Jahrzehnten”, kommentiert Kusicka stolz. Außerdem wird ein Energie-Wohnpark gebaut, der ohne fossile Brennstoffe auskommt. Im vergangenen Juli beschloss die Gemeindevertretung, das Neubaugebiet Helfrichsgärtel III entsprechend auszuweisen. Elektromobilität und Car-Sharing sollen gleich mitgeplant werden.

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Biblis voller Energie

Ein neues Image für die Gemeinde

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„Der Traktor und der Reaktor“: Das AKW entsteht in Biblis

Ausschnitt aus dem Film von Hans Jürgen Kanow

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Die furchtlosen Bibliser

Ausschnitt aus dem Film von Hans Jürgen Kanow

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Ein Wandel: Meiler statt Gemüsegarten

Ausschnitt aus dem Film von Hans Jürgen Kanow

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Ein kalifornisches Goldgräbercamp in Südhessen

Ausschnitt aus dem Film von Hans Jürgen Kanow

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Ein gutes Verhältnis

Ausschnitt aus dem Film von Hans Jürgen Kanow

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Am 1. Juni 2017 beginnt der Abriss des stillgelegten Kraftwerks. Für den hochradioaktiven Müll, der dabei entsteht, gibt es bereits ein Zwischenlager - in den beiden Hallen stehen Ende Mai 78 Castoren. Gebaut wird nun ein zweites Lager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall - das bisherige ist nicht ausreichend. 

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Horst Kemmeter

Kraftwerksleiter

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Allein in der Bodenplatte sind 1200 Tonnen Stahl und 5000 Kubikmeter Beton verbaut worden. Denn: Die Bodenplatte wird einiges aushalten müssen. Ein einziger der Gussbehälter, die dort stehen werden, wiegt zwölf Tonnen. 1278 Stück werden am Ende des Abrisses gefüllt sein. Jeder kostet 70.000 Euro. 

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Insgesamt werden 6450 Tonnen schwach- und mittelradioaktiver Müll entstehen. Sie haben nicht alle Platz im Lager. Es sei ein Übergangslager, betont Kraftwerksleiter Horst Kemmeter. Im Lauf der 2020er Jahre müssten Abfallbehälter von Biblis im Schacht Konrad im niedersächsischen Salzgitter untergebracht werden können, damit der Rückbau nicht stocke, so Kemmeter.

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Offiziell besiegelt wird der Abbau am 19. Juli 2017 bei einem Termin mit Umweltministerin Priska Hinz und Kraftwerksleiter Horst Kemmeter. Die beiden legten selbst Hand an und demontierten eine Kühlwasserpumpe in einem Notsystem. 

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Die abgebrannten Brennstäbe kommen in den Castoren in Biblis in ein bis 2046 genehmigtes Zwischenlager. RWE rechnet mit insgesamt 103 solcher Behälter. "Als Puffer" baut RWE in Biblis dafür ein zweites Lager. Es soll Ende 2018 fertig sein, heißt es am 19. Juli 2017. 

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Im Mai, spätestens im Juni soll auch von außen zu erkennen sein, was sich im Inneren seit 2004 tut: Das Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich nördlich von Koblenz verschwindet von der Bildfläche. Ringförmig wird dann der riesenhafte Kühlturm abgebaut, der mit 162 Meter gut doppelt so hoch ist wie seine vier Pendants in Biblis.

Mülheim-Kärlich ist die Blaupause für den gemeinsamen Betreiber RWE, wie man eine solche auch im Stillstand mit hohem Risiko behaftete Anlage abreißt.

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Dr. Thomas Volmar
Chef der Anlage Mülheim-Kärlich

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Blick in den Atommeiler

Der Blick in den Atommeiler:
nach unten und nach oben. 

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Bevor Rohre und andere im Betrieb belastete und kontaminierte Bauteile des Kraftwerks weiterverwendet werden können, muss man sie freimessen. Dafür wird das Kraftwerk in Gitterboxen-Einheiten zerlegt.

Allerdings passt nicht alles in eine Gitterbox. Größerer Schrott wird entweder mit einem Bügeleisen-ähnlichen Gerät geprüft oder zerkleinert. Weil bei Letzterem Stäube entstehen, muss behutsam vorgegangen werden. 

Besonders spannend wird es, wenn der Druckbehälter zerkleinert wird: das Herzstück der Anlage, in dem sich die Kernspaltung ereignete, die am Anfang der Krafterzeugung steht. In Gundremmingen und beim Forschungsreaktor Kahl am Main sei so etwas schon mit Erfolg und ohne Gefahr verschrottet worden, heißt es bei RWE.

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Der hier zu sehende Zustand im AKW Mülheim-Kärlich soll in etwa zehn Jahren in Biblis erreicht sein.

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Die Boxen durchlaufen eine „Freimessanlage“, die seit April 2006 neben dem Reaktor läuft. „Caroline“ wurde der blaue Quader getauft, für den eigens eine Halle errichtet wurde mit Gesamtkosten in Höhe von einer Million Euro. Ihre 24 Detektoren prüfen den Inhalt von bis zu 80 Gitterboxen am Tag.

Zehn Mikrosievert ist der Grenzwert der Strahlung, den Kritiker ablehnen, Behörden aber für richtig halten. Freimessen „nach B“ bedeutet, dass das Material auf die Deponie kommt, „nach A“ bringt es zurück in den Wertstoffkreislauf. Selbst einzelne Köcher des Abklingbeckens, in dem die längst abtransportierten Brennelemente gekühlt wurden, sind für die völlige Freimessung vorgesehen.

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Wasser war für die Energieerzeugung im Atomkraftwerk zentral, nun dient es zur Dekontamination. In einer Kabine reinigt ein Hochdruckstrahl mit bis zu 2400 bar die Oberfläche von Rohren. Das kurzzeitig verdampfte Wasser fließt in den Rhein – bei dessen Volumen „eine verschwindende Menge“, findet die scheidende Überwachungs-Leiterin in Mülheim-Kärlich, Dagmar Butz. Dafür dringe nur gefilterte Luft nach draußen aus der 44 Meter hohen Reaktorkuppel mit 56 Meter Durchmesser, die unter leichtem Unterdruck gehalten wird.

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Nach Angaben von Betreiber RWE zeigt das Beispiel Mülheim-Kärlich, dass es gar kein Problem ist, die Überbleibsel eines Atomkraftwerks loszuwerden – auch wenn die Menge imposant ist. 500 000 Tonnen beträgt die Gesamtmasse. Allenfalls 1800 Tonnen bleiben als radioaktiver Abfall übrig. „Aber das ist natürlich nur eine Schätzung“, erklärt Anlagenleiter Dr. Thomas Volmar. „Jedenfalls fällt nicht so viel an, wie oft kolportiert wird.“

In Biblis wird die Menge des radioaktiven Restabfalls beider Blöcke auf 5000 bis 6000 Tonnen geschätzt. Fast die Hälfte der Gesamtmasse gilt hier wie da als „ganz normaler Bauschutt“, wie ein RWE-Sprecher sagt. Auch das meiste aus dem „nuklearen Bereich“ von Mülheim-Kärlich soll nach Dekontamination und Freimessung in den Kreislauf der Güter zurückkehren.

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Mindestens ein permanent anwesender Mitarbeiter des TÜV Rheinland sorgt dafür, dass nichts im Verborgenen bleibt. Eine Genehmigung haben, heiße ja nicht, machen zu können, was man wolle, bekräftigen die RWE-Manager. Jeder Schritt müsse beschrieben und genehmigt werden.

Mit Behörden hat der strauchelnde Energieriese in Mülheim-Kärlich mehr zu tun als mit Atomkraftgegnern oder Wissbegierigen. „Das Interesse hat deutlich nachgelassen“, erzählt Überwachungs-Leiterin in Mülheim-Kärlich, Dagmar Butz. Pro-aktiv mache RWE hier im Unterschied zu Biblis nichts mehr. „Wer fragt, kriegt Auskunft.“ 

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