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Zweileben - Bilanz einer Todesnacht

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Von Constantin Lummitsch



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Mai 2018: Ein alter Mann geht durch den Pfälzer Wald. Er ist einsam. Er verwickelt Wanderer in Gespräche. Er ist arm, lebt in einer Seniorenwohnanlage. Er sagt, er schlafe schlecht.

„Ich will vergessen, was passiert ist. Aber in der Nacht kommen die Bilder, die sind wie Gespenster“, sagt er. „Ich bin kein Mörder.“

70 Kilometer entfernt sitzt ein anderer alter Mann im Rollstuhl. In der offenen Küche seiner Doppelhaushälfte trinkt er mit seiner Frau Kaffee. Ihre Hände berühren sich. Er sagt, er sei nicht verbittert. Aber er denkt oft an den alten Mann aus dem Wald.

„Wenn ich ihn erschossen hätte, würde mein Kollege noch leben“, sagt er.


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Dezember 1981.


Eine Samstagnacht, fünf Minuten vor elf. Ein Lichtblitz, dann die Detonation: Eine Splitterhandgranate explodiert auf dem Parkplatz der Sparkasse in Bensheim. Die Druckwelle reißt Achim Benick in die Luft, schleudert ihn auf das Betonsteinpflaster. Benick ist 26 und Polizeiobermeister. Er wird für immer querschnittsgelähmt bleiben.

Der Mann, der auf die Polizei feuert und Handgranaten wirft, heißt Bernhard Kimmel. Er ist damals 45 Jahre alt und bereits für mehr als 60 Straftaten verurteilt worden. Kimmel schießt einem Polizisten in den Kopf und flieht, selbst von Kugeln getroffen. Sechs Stunden später stellt ein Einsatzkommando Kimmel in dessen Wohnung. Kimmel wird in der Dezembernacht vor 37 Jahren zum Mörder, auch wenn er das für den Rest seines Lebens nicht wahrhaben will.


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Kimmel ist seit den fünfziger Jahren Verbrecher, bringt es zum Bandenchef. „Al Capone von der Pfalz“ nennen ihn manche Medien. Unter seinen Straftaten: Einbrüche, Wilderei und illegaler Waffenbesitz. Die Mitglieder der Kimmel-Bande inszenieren sich als gerechte Räuber, weil sie manchmal den Armen etwas von ihrer Beute abgeben. Erst 1961 verhaftet sie die Polizei. Rund 180 Straftaten listet die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft im Prozess vor dem Landgericht Frankenthal auf. Urteil: 14 Jahre Gefängnis für Kimmel. Doch schon 1970 ist er wieder frei, fünf Jahre werden ihm auf Bewährung erlassen.
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Draußen interessieren sich viele Medien für Kimmel. Regisseur Peter Fleischmann dreht einen Dokumentarfilm über ihn, die ARD bringt den Spielfilm „Al Capone im deutschen Wald“ mit Rainer Werner Fassbinder in der Rolle eines Bandenmitglieds ins Fernsehen.
1972 schafft es Kimmel selbst auf die Leinwand. Er spielt im deutsch-französischen Kinofilm „Das Unheil“ einen Fahnenflüchtigen, der sich mit Armee und Staat anlegt. Er berät Drehbuchschreiber, hilft den Ausstattern bei der Wahl der Waffen und arbeitet als Stuntman. Der Leinwandruhm bringt Geld. Für Interviews nimmt er bis zu 15.000 Mark, schreibt Kimmels Biograf Rainer Thielen. Der Boulevard liebt ihn. „Wir halten zu dir“, rufen ihm Pfälzer Arbeiter in Fleischmanns Dokumentarfilm zu. Ein gefundenes Fressen für manche Medien. Die feiern ihn als einen modernen Robin Hood.




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Der „Kimmel-Mythos“ interessiert den jungen Benick nicht besonders. Er sieht den Fassbinder-Film in der ARD und vergisst ihn wieder. Der Verbrecher gilt als resozialisiert und scheint im Filmgeschäft zu sein. Benick wird in den siebziger Jahren Polizist. 1972 sieht er das Münchner Olympia-Attentat im Fernsehen. Außerdem macht die Polizei überall in der Bundesrepublik Jagd auf die Baader-Meinhof-Bande.
Benick will auf der Seite des Rechts stehen, etwas unternehmen. Er wählt die Uniform.









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Für Kimmel sieht die Realität trotz des Rummels um seine Person anders aus. Geld gibt es für ihn nur an Drehtagen. Er sucht deshalb eine Festanstellung. Er bewirbt sich bei Pfälzer Betrieben. Die Vorgesetzten sind zunächst begeistert. Man will ihn einstellen, doch dann kommen Zweifel. Der Ruf des Unternehmens würde leiden. Angestellte möchten nicht mit ihm zusammenarbeiten. Die bürgerliche Welt wird zu einem Tresor, den er nicht knacken kann. Also kein Nine-to-five-Job. Kimmel wird Berater von Waffenliebhabern. Die suchen seltene Nazi-Pistolen. Damit kennt er sich aus. Ein festes Einkommen sichern ihm diese Geschäfte nicht. Stattdessen bekommt er eine Bewährungsstrafe wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Filmemacher Fleischmann stellt ihn als Beleuchter ein. Er soll den Scheinwerfer auf andere richten. Aber das ist nichts für ihn. 





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1981
ist es vorbei mit dem Filmgeschäft. Kimmel ist 45. Er hat eine junge Freundin. Nur noch selten bieten ihm Journalisten Geld für Interviews an. Er ist pleite. Es reicht nicht für die Miete. Das Geld will er sich aus der Bensheimer Sparkasse besorgen. Es wird sein letzter Einbruch. Der endet mit dem Tod eines Unschuldigen.

Als Benick 1974 den Polizeidienst in Bensheim antritt, denkt er: Hier passiert mir nichts. Hier ist es ja ruhig. Bis zu dieser Dezembernacht im Jahr 1981, als er und vier weitere Polizisten zur Sparkasse in der Wormser Straße gerufen werden. Zwei Streifenwagen fahren von der Wache los. Benick stoppt am Eingang der Bankfiliale, das andere Auto blockiert den Hinterausgang neben einer geschlossenen Tankstelle. Benick schleicht vor, sein Beifahrer steigt aus, hält sich an seiner Maschinenpistole fest.




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Plötzlich fliegt etwas aus dem Dunkeln auf Benick zu. Er wendet sich ab. 318 Gramm wiegt die Handgranate. Zwei Herzschläge später zünden 32 Gramm Sprengstoff. Benick verliert das Bewusstsein. Von der Schießerei, die auf den Splitterhagel folgt, bekommt er nichts mit. Mehr als 270 Splitter aus Gusseisen stecken in seinem Rücken, seinen Beinen, seinem Schädel. Blut fließt aus der zerfetzten Haut.
Während die Polizei Straßen absperrt, reißt der Schmerz Benick aus der Bewusstlosigkeit.
„Als ob jemand 300 Zigaretten auf mir ausdrückt“, sagt er heute. Einer der 270 Splitter steckt im zwölften Brustwirbel, direkt über der Lendenwirbelsäule. Der Splitter schneidet durch die Nervenbahnen des Rückenmarks. Das fünf Millimeter lange Stück Eisen macht ihn zum Querschnittsgelähmten.

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An die erste Stunde seines Lebens als Querschnittsgelähmter erinnert sich Benick kaum noch. Da sind die roten Jacken und weißen Hosen der Sanitäter, der Notarzt, der mehrmals an seiner Vene vorbei sticht, bis er eine Infusion legen kann. Dann strömt das Schmerzmittel in sein Blut. Benick verliert das Zeitgefühl. Betäubt. Den US-Armeehubschrauber nimmt er kaum noch wahr, der mitten auf der Wormser Straße in Bensheim landet und ihn in die Uniklinik nach Heidelberg bringt. Dann wird es schwarz um Benick. Neben ihm liegt sein Kollege mit einem Loch in der linken Schläfe, aber noch am Leben. Eine Woche später wird er sterben. Eine Ehefrau wird zur Witwe, zwei Kinder trauern um ihren Vater.

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Kimmel rennt, obwohl drei Kugeln in seinen Beinen stecken. Er flieht durch Gärten, geht in eine Kneipe, ruft vom Münztelefon ein Taxi. Als die Polizei ihn im Morgengrauen in seiner Viernheimer Wohnung festnimmt, hat er viel Blut verloren. Es sickert aus den Wunden und sammelt sich in seinen Schuhen. Bei jedem Schritt quietscht es. Die Polizei bringt ihn in die Notaufnahme. Sobald sein Zustand stabil ist, muss er ins Gefängnis.
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Als Benick wieder klar denken kann, ist es Montag. Den lokalen Zeitungen ist sein Schicksal nur eine Spalte wert. Andere Themen bewegen das Land: Muhammad Ali kämpft zum letzten Mal, Helmut Schmidt besucht Honecker. Benick will von den Ärzten nur eins wissen: Was ist mit seinen Beinen los? Die Neurologen drucksen herum. Zwei Tage später sagt der Chefarzt: „Sie werden nie wieder gehen können.“ Benick bricht zusammen. Nie wieder laufen. Vor der Schießerei joggte er viermal pro Woche 10 Kilometer. Hinauf zum Melibokus, 517 Meter hoch. Oben angekommen, blickte er auf Bensheim, auf den Rhein. Am Horizont: die Hügel des Pfälzer Waldes.
Nie wieder?
Nie wieder.
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„Ich hätte auch tot sein können“, denkt Benick. Oder noch schwerer verletzt. Viele Patienten auf seiner Station sind vom Kopf abwärts gelähmt. Benick rafft sich auf. Er besucht Physiotherapie-Sitzungen, greift sich Krücken, versucht, wieder Kontrolle über seine Beine zu bekommen. Doch die tragen ihn nicht, egal wie oft er sich aufrichten will. Aber er will raus aus dem Rollstuhl. Er will wieder aufstehen. Drei Monate später ist da etwas. Ein Gefühl im rechten Oberschenkel. Er spürt den Muskel, spannt ihn an. Dann das scheinbar Unmögliche: der erste Schritt. Mehr ein Humpeln, ein Schleifen des rechten Fußes über das Linoleum. Aber: ein Anfang.


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Kimmel sagt, er habe im Gefängnis über Selbstmord nachgedacht. Regisseur Fleischmann kommt zu Besuch. Er filmt einen weinenden Mann. Kimmel fängt an, sich für Kunst zu interessieren. Er modelliert Plastiken aus Ton. Manchmal zeichnet er. Er schreibt Gnadengesuche an Kanzler Helmut Kohl. Darunter geht es für einen Al Capone nicht. Der Bischof von Speyer besucht den verlorenen Sohn im Gefängnis.
22 Jahre sitzt Kimmel ab. Diesmal schenken ihm die Richter nichts.



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2018.
Benick kommt auf Krücken einige Meter weit. 37 Jahre nach der Nacht von Bensheim kämpft er sich sogar die Treppen hinauf. Das braucht viel Zeit, aber er schafft es. Benick bewegt sich viel. Mit seinem Handbike schafft er bis zu 40 Kilometer lange Strecken. Oder er unternimmt mit seiner Frau Ausflüge. Heute hockt er am Tisch seiner offenen Küche und trinkt mit seiner Frau Kaffee. Er sieht friedlich aus.
Bitterkeit? Hass? Benick winkt ab. „Ich war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.“
Eigentlich hatte er an jenem Samstag im Jahr 1981 freinehmen wollen, für eine Weihnachtsfeier in Bensheim. Aber die Vorgesetzten hatten ihn für die Nachtschicht eingeteilt. „So ist das eben als Polizist“, sagt er. „Und statistisch gesehen ist der Beruf gar nicht so gefährlich.“ Von den 14.260 hessischen Polizisten starb 1981 einer durch Waffengewalt. Ein anderer wurde schwer verletzt. „Ich war halt ein Pechvogel“, sagt Benick. Er lächelt. Benick möchte nicht zulassen, dass die Folgen einer Nacht seine Zukunft bestimmen. Er will das Leben genießen. Mit seiner Frau plant er eine lange Reise.


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Mai 2018.
Der Mann, der Benick zum Rollstuhlfahrer machte, ist heute 82. Er lebt in einem Ein-Zimmer-Küche-Bad-Apartment einer Seniorenwohnanlage bei Landau. Er ist gut zu Fuß. Man merkt Bernhard Kimmel die einstigen Schusswunden nicht an. Der Bart ist weiß geworden, das Gesicht eingefallen. Die Cordhose schlackert um seine dünnen Beine. Flusen hängen an seiner ausgebleichten Wolljacke. Er schläft schlecht, sagt er. Es ist früh am Morgen. „Ich hab noch nichts gefrühstückt. Ich hab Kohldampf“, sagt er. Seine Küche sieht unbenutzt aus.
„Hast du ne Zigarette?“, fragt Kimmel. Er duzt jeden und möchte geduzt werden. 15 Euro liegen auf dem Tisch. Die lässt er nicht aus den Augen. Als er ins Bad geht, steckt er sie ein. Für ihn ist das offenbar viel Geld.


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An der Wand hängt ein gerahmtes Foto von Martin Walser. Er hat den Schriftsteller bei einem Fleischmann-Dreh kennengelernt, sagt Kimmel und zeigt einen Brief von Walser. Die Krakelschrift erzählt von einem gemeinsamen Ausflug in der Pfalz, von Frauen und Wein. Auf dem Tisch liegt ein Reclam-Heft mit Goethe-Gedichten, daneben ein aufgeschlagener Börne-Band. Es sieht wie ein arrangiertes Stillleben aus, aber der Besuch hat sich nicht angekündigt. Kimmel lebt zurückgezogen. Er hat kein Telefon. Seine Adresse kennen nur Wenige. Briefe beantwortet er nicht. Seit Jahren meidet er die Medien.Vor seiner Schlafpritsche hängt eine Zeichnung hinter Glas: ein Gesicht, wie eine Totenmaske. „Der Schmerz“ steht unter dem Bild. Er hat es gezeichnet, sagt er. Im Glasrahmen steckt das Foto einer Frau mit Kurzhaarfrisur. Sie erinnert an die junge Audrey Hepburn. „Das ist die Tilly. Wir wollten füreinander sterben, wenn es sein muss. Jetzt ist sie verheiratet und hat bestimmt schon Enkel“, sagt er. Tilly hat einen der Polizisten geheiratet, die Kimmel verhörten. Er starrt lange auf das Foto. „Nur wenige Menschen sind wirklich lebendig, und die, die es sind, sterben nie“, sagt er mit brüchiger Stimme. Ein Zitat. Er liest gerne Hemingway. Traurige Geschichten. „Der alte Mann und das Meer“ oder „Fiesta“.


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Kimmel hat Hunger, der Kühlschrank ist leer. Die Altstadtbistros sind noch geschlossen. Also zu Fuß in eine Supermarkt-Bäckerei. Beim Frühstück erzählt er von früher. Von seiner Zeit als Bandenchef, vom Tresorknacken und Partys mit Rainer Werner Fassbinder in München. Er schwärmt von seiner Arbeit beim Film in den siebziger Jahren, von seinen Frauengeschichten. Er klingt wie ein alter Leinwandheld.
„Ich hab den Ruhm genossen“, sagt er.
Von der Traurigkeit in seinem Apartment ist nichts mehr zu spüren.

Was ist mit dem Mord in Bensheim? 

Er wird leise. Er habe nur deshalb geschossen und die Handgranate geworfen, weil er in Panik geraten sei. Er habe Angst vor dem Gefängnis gehabt.
„Ich hab das nicht gewollt, ich bin kein Mörder“, sagt er.
Widerspricht man ihm, gibt er sich entsetzt. Er möchte nicht verachtet werden, sagt er. Kimmel schweigt, zündet sich eine Zigarette an. Seine Finger zittern. Dann: „Manchmal denke ich, es wäre besser gewesen, er hätte mich erschossen und der Polizist würde noch leben. Dann wär ich im Kampf gefallen wie ein Soldat.“ Man merkt: Er hat schon oft in Mikrofone gesprochen.


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Für Benick haben sich nur wenige Reporter interessiert. Journalisten hätten Kimmel selten widersprochen, sagt Benick. Wenn Kimmels Gesicht im Fernsehen oder der Zeitung auftaucht, sieht Benick weg. Er erträgt den Anblick des Mörders nicht. „Journalisten wollten eine spannende Geschichte erzählen und haben dabei vergessen, was der für einen Schaden hinterlassen hat“, sagt er.

„Wie bei der RAF. Über die hat jeder gesprochen. Über die hat man Kinofilme gedreht. Die Opfer hat man aber schnell vergessen“, sagt er. Wie bei Kimmel. Auch in den Fleischmann-Filmen widerspricht ihm niemand. Opfer oder Hinterbliebene von Kimmels Gewalt kommen nicht vor. Benick findet Fleischmann widerwärtig. Der ehemalige Polizist verabscheut den Rummel um den ehemaligen Verbrecher. „Seine Tränen sind kein Zeichen von Reue, sondern Selbstmitleid“, sagt Benick. Er kann das Interesse vieler Intellektueller an Kimmel nicht verstehen.


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Kimmel ist mit seinem Frühstück fertig. Vom Supermarkt aus sieht man die Hügel der Pfalz. Er möchte in den Wald, zur Totenkopfhütte bei Maikammer. Die Totenkopfhütte ist ein Ausflugslokal mit Spielplatz. Heute geschlossen. Kimmel setzt sich auf eine Bank unter einer Eiche. Im Stamm stecken Projektile aus seiner Pistole, sagt er.

Kimmel und seine Bande brachen in der Silvesternacht des Jahres 1960 dort ein. Sie randalierten, betranken sich und zündeten das Haus an. Auch Kimmels Geliebte Tilly war dabei. Dann zogen sie weiter. Zum nächsten Waldhaus. Dort überraschte sie Hüttenwart Karl Wertz. Er wollte die Betrunkenen verjagen. Kimmel schoss daneben. Das Bandenmitglied Lutz Cetto erschoss Wertz. Elf Jahre später erschießt Kimmel in Bensheim einen Polizisten.



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Warum musste er unbedingt nochmal
in eine Bank einbrechen?
Wegen des Geldes?


„Nein. Ich hab den Nervenkitzel gebraucht. Es hat mich gejuckt.“

Seit mehr als 14 Jahren lebt Kimmel in Freiheit.
Sein Opfer liegt auf dem Friedhof von Bensheim.




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Nach Kimmels erster Haftentlassung im Jahr 1970 registriert die Polizei zahlreiche Bankeinbrüche in Hessen und Rheinland-Pfalz. Die Spuren ähneln dem Bensheimer Fall. Ob er damit etwas zu tun hat? Er zuckt mit den Schultern und zündet sich eine Zigarette an.
„Ich werde langsam vergesslich“, sagt Kimmel.

Benick kann nicht vergessen. Aber er hat mit der Nacht abgeschlossen, in der ihn Kimmel zum Querschnittsgelähmten machte. Sagt er zumindest. „Ich bin froh, dass er weiter weg wohnt. Es wäre unangenehm, ihm hier noch mal begegnen zu müssen“, sagt Benick.

Kimmel will Benick nicht sehen. Er sagt, er habe Angst, dass Benick sich an ihm rächen will.
  
Ob Kimmel dement sei, fragt Benick.

Hat er eine Familie?, fragt Kimmel.
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Bernhard Kimmel ist ein ehemaliger Einbrecher und Polizistenmörder. Viele Medien nannten ihn „Al Capone von der Pfalz“. Manche verklärten ihn zu einem modernen Robin Hood. Er lebt heute nach einer langen Haftstrafe in Freiheit. Kimmel war ein Medienliebling, über seine Opfer wurde jedoch kaum berichtet.

Deshalb erschien in den Zeitungen der VRM am 10. März 2018 ein Porträt über den Ex-Polizisten Achim Benick. Der kam dem Einbrecher bei einer Schießerei im Jahr 1981 in die Quere und ist seitdem querschnittsgelähmt. Kimmel behauptete immer wieder, kein Mörder gewesen zu sein. Bei einem Ortsbesuch bricht der ehemalige Einbrecher sein jahrelanges Schweigen. Der Autor konfrontiert Kimmel mit dessen Lebenslüge.



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